Christiane Wollenhaupt-Brenner

Das Kirchenfenster in Lippoldsberg

Werk - Glasarbeiten - Das Kirchenfenster in Lippoldsberg

Entwurf zum Apsisfenster Lippodsberg
Tusche auf Pergamentpapier
In Lippoldsberg an der Weser in Nordhessen liegt das ehemalige Benediktinerinnenkloster St. Maria und Georg. 1080 wurde wie unter dem Mainzer Erzbischof Liuppold von Mainz erbaute Holzkirche durch eine Steinkirche ersetzt. Der jetzige Bau wurde unter Propst Gunther im 1140-50 im romanischen Stil erbaut.
Im Zuge von Sanierungsarbeiten wurde die Kirche 1957 - 59 grundhaft saniert.1 und Restaurierungsarbeiten durchgeführt, in deren Zuge die nur noch schemenhaft vorhandene2 neoromanische Wandmalerei, vielleicht dem puristischen Geschmack der Zeit folgend, weiß übertüncht und die neoromanischen Glasfenster gegen die Glasfenster meiner Mutter ausgetauscht.

Das Apsisfenster zeigt Szenen aus der Offenbarung des Johannes3. Vor einem großen Kreuz sehen wir Christus in der Mandorla umgeben von den sieben Engeln, Er thront über dem neuen Jerusalem, das man an seinen zwölf Toren erkennen kann. Darunter befinden sich die sieben Gemeinden mit den Menschen, die herbeibeistömen.
Die bestimmenden Farben des Entwurfs sind Blau-, Dunkelgrün und Violetttöne, nur der Gottessohn ist in ein rotes Gewand mit dunkelgrünen Elementen gekleidet; diese Farben wiederholen sich in der Gloriole. Das Kreuz ist in leuchtenden Gelb- und Rottönen gehalten.
Apsisfenster Lippodsberg
Foto: Dr. Verena Jakobi
Die Bildikonographie entspricht Motiven romanischer Gerichtsportale; in der Aufreihung des "Personals" kann man ferner die Tradition byzantinischer Mosaiken erkennen. Meine Mutter hatte sich lange mit diesen Mosaiken beschäftigt und schätzte ihren strengen Stil als Vorbild, wie auch beim Altarbild in der Kasseler Martinskirche. Der Rekurs auf mittelalterliche Motive ist in der Entstehungszeit der Glasfenster ein wenig aus der Zeit gefallen, die sonst durch starke Neigung zur Abstraktion geprägt war.

2006 erfuhr ich eher zufällig, weil die betraute Denkmalpflegerin, Frau Dr. Jakobi, einige Informationen bei mir einholte, von den Plänen, das Fenster, das meine Mutter in jungen Jahren für die Lippoldsberger Klosterkirche entwarf, gegen ein anderes auszutauschen.

Ebenso als Tochter wie als Kunsthistorikerin fand ich die Pläne - zumal im Todesjahr meiner Mutter formuliert - sehr bedenklich. Wiewohl die Umbaumaßnahmen der Fünfziger Jahre problematisch waren, wäre eine - ebenso wenig denkmalgerechte - Revision genauso problematisch, so meine Argumentation und - fachlich fundierter - auch die Argumentation des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege.
Es ist für mich ein wirkliches "Happy end" der Geschichte, dass ich im Dezember 2008 von Frau Dr. Wüllenkemper, Bezirksdenkmalpflegerin vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege die gute Nachricht erhielt, dass die Sanierungsarbeiten an der Lippoldsberger Klosterkirche abgeschlossen seien und das Fenster erhalten blieb.


Klosterkirche nach der Sanierung. Foto: Landesamt für Denkmalpflege Hessen
1 Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunst- und Baudenkmäler. Hessen, S. 566/57
2 Auskunft der unteren Denkmalbehörde von 2006
3 Ich denke, dass sich die Szenen auf das Buch 21 der Johannesapokalypse beziehen.